Kollaboratives Lernen (2)

Während meiner Recherchen zum Thema “kollaboratives Lernen” bin ich vor Kurzem auf einen interessanten Beitrag von Strijbos et al. (2004) gestossen. Dort wird die Meinung vertreten, dass die beiden verwandten Begriffe, d.h. “kooperatives Lernen” und “kollaboratives Lernen”, bisher noch nicht ausreichend ausdefiniert wurden, um als konzeptuelle Grundlage für das Design von computer-unterstützten kooperativen/kollaborativen Lehr-/Lernszenarien im Sinne von CSCL (Computer Supported Collaborative Learning) bzw. CSGBL (Computer Supported Group-Based Learning) dienen zu können.

Die Autoren setzen sich mit unterschiedlichen Ansätzen zum kooperativen und kollaborativen Lernen auseinander und kommen zur Schlussfolgerung, dass nich eindeutig aufgezeigt werden kann, was kooperatives und kollaboratives Lernen von einander unterscheidet.  Die Autoren erwähnen u.a. die Unterscheidung zwischen Kooperation als Zusammenarbeit in wohl-strukturierten Domänen und Kollaboration als Zusammenarbeit in schlecht-strukturierten Domänen (Slavin, 1997), sowie die Unterscheidung von Kooperation und Kollaboration als zwei Enden eines Kontinuums mit Kooperation als stärker strukturierte und Kollaboration als weniger strukturierte Zusammenarbeit (Millis and Cottell, 1998).

Die Autoren schlagen in diesem Zusammenhang vor, kooperatives und kollaboratives Lernen aus einer prozessorientierten Perspektive der während der Gruppenarbeit stattfindenden Interaktionen analytischer zu betrachten. Sie schlagen drei unterschiedliche Ebenen zur Beschreibung von Interaktionen vor. Diese sind (1) Arten von Beziehungen zwischen Gruppenteilnehmern (Ebene eins), (2) zeitliche Aspekte von Interaktionen (Ebene zwei) und (3) Arten kommunikativer Handlungen (Ebene drei).  Darüber hinaus werden weitere fünf Fakoren zur Beschreibung von kooperativen und kollaborativen Lernprozessen genannt. Diese sind: Lernziele, Aufgabenart, Vorstrukturierungsgrad, Gruppengröße und Art der technsichen Unterstützung.

Obwohl die genannten Beschreibungskategorien bestimmt nicht ausschöpfend sind und auch in Einzelfällen selbst ungenügend ausdefiniert wurden, zeigt der Beitrag von Strijbos et al. (2004), wie komplex die beiden Lernformen sind, wenn man sie in Einzelfaktoren zerlegen möchte.

Literatur:

Strijbos, J.W., Martens, R. L., & Jochems, W.M.G. (2004). Designing for interaction: Six steps to designing computer-supported group-based learning. Computers & Education, Elsevier 42, 2004 (pp. 189-211).

Kollaboratives Lernen

Gestern habe ich mit einer Berufschülerin, welche an einer virtuellen Lerngruppe zur Prüfungsvorbereitung in der Mediencommunity teilnhehmen möchte über dies und jenes gesprochen, um zu erfahren, wie wir Auszubildende bei der Prüfungsvorbereitung noch besser unterstützen können. Sie hat sich vor allem Einzelaufgaben und Experten-Feedback gewünscht.  Sie meinte in der Schule probiert man gerne und auch oft “neue Methoden” wie Gruppenarbeit, kollaboratives Lernen usw. aus (wir sind im Gespräch nicht auf die Begriffsabgrenzung eingegangen). Ihre Erfahrung ist aber, dass es für Schüler sehr aufwendig und zeitintensiv ist und dass man grundsätzlich dabei nicht viel lernt, sprich man muss es nachher selbst nachholen. Ihr Fazit: kollaboratives Lernen/Gruppenlernen – jetzt zitiere ich sie – “kotzt schon alle an”. Sie hätte also mal gerne zur Abwechslung Einzelarbeit mit Fachexperten. Viel Betreuung, one-on-one. Ist vielleicht aus Sicht der Auszubildenden/Schüler kollaboratives Lernen/Gruppenarbeit eine billige Lösung für die, die sich kein Privatlehrer leisten können? Oder läuft etwas schief in den Schulen und die “neuen Methoden” werden nicht so eingesetzt, wie sie eigentlich eingesetzt werden sollten?