E-Portfolio bei Campus Innovation 2009

Campus Innovation und Konferenztag Studium und Lehre fanden am 26. und 27. November in Hamburg statt. Hier meine Notizen zum zweiten Tag von Campus Innovation/Track “E-Portfolio”:

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Der zweite Tag von Campus Innovation begann mit der Keynote von Gabi Reinmann, die das Thema E-Portfolio im Zusammenhang mit forschendem Lernen diskutiert hat. E-Portfolios wurden als Koordinationsinstrument in Aktivitätssystemen “forschendes Lernen” eingebettet. Als drei didaktische Risiken beim Einsazu von E-Portfolios wurden Over-Scripting, Over-Acting und Over-Reflecting genannt. Das Risiko von Over-Scripting kommt dann vor, wenn übermäßig viel Standardisierung das kooperative Lernen beeinträchtigt und die Individualität zerstört. Over-Acting kommt dann vor, wenn Unmengen von Artefakten in E-Portfolios reflexionslos aneinander gereiht werden (das Horten von Objekten). Over-Reflecting als Übermaß an Reflexion führt zum starken Bezug auf die eigene Person, wobei Lernziele und Lerninhalte zu kurz kommen können. Gabi Reinmann hat darauf hingewiesen, dass E-Portfolio als E-Assessment Instrument strukturelle Probleme an den Schulen und Hochschulen nicht lösen kann. Dabei hat sie mehrere Assessment-Risiken beim Einsatz von E-Portfolios genannt, u.a. das Nutzen von E-Portfolios als E-Assessment kann dazu führen, dass nur das im E-Portfolio dargestellt wird, was den Besitzer im positiven Lichte escheinen lässt. Dadurch kann die Dokumentation und Reflexion der Entwicklungsprozesse verzerrt werden. Ihr Fazit war fragendes Lernen als Königsweg für den E-Portfolio Einsatz. Die Textfassung (Prepting) der Keynote von Gabi Reinmann ist hier zu finden.

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Als erster im Track E-Portfolio hat Thomas Czerwionka aus der Technischen Universität Hamburg Harburg (TUHH) über das Projekt StudIPort 2.0 und ein E-Portfolio Prototyp berichtet, welches sich gerade am Ende der Testphase befindet. Im Zeitraum von Juli 2009 bis Januar 2010 wird eine selbst programmierte E-Portfolio-Anwendung mit 15 Studenten getestet. In diesem Pilotprojekt dokumentieren Studierende Artefakte und ordnen Sie in einer Matrix, die aus mehreren Kompetenzbereichen besteht. Zurzeit wird die Nutzung von E-Portfolio evaluiert mit dem Ziel förderliche und hinderliche Faktoren zu ermitteln. Bis April 2010 kann diese Anwendung als Plug-in benutzt werden. Eine Stand-alone Lösung ist für Ende 2010 geplant.

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Als nächstes hat Angela Peetz das Projekt eLBase 1 vorgestellt, welches von Juli 2008 bis Juni 2010 an der Universität Hamburg läuft. Die E-Portfolio-Lösung ist in diesem Fall im Arbeitskreis „E-Assessment“ entstanden und wurde mit OLAT umgesetzt. Angela Peetz hat u.a. auf die Datenschutzproblematik beim Einsatz von E-Portfolios hingewiesen (u.a. umfassende Profildaten und prüfungsrelevante Informationen). Mehr dazu findet man in der 2. Auflage des Hamburger eLearning Magazins.

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Danach hat Anne Christensen über das beluga Projekt und die Idee von Literaturlisten als Artefakte im E-Portfolio berichtet. Beluga ist dabei als Quelle der Literaturlisten entwickelt worden, in der man u.a. Literaturlisten anlegen, verwalten, exportieren und importieren kann und verschiedene Zitierformate verwenden kann. Anne Christiansen hat das Konzept des entdeckendes Suchens und die Rolle der sozialen Empfehlung bei der Pflege und Austausch von Ressourcen angesprochen. Die Folien sind im slideshare zu finden.

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Dann hat Christina Schwalbe über das Projekt ePUSH berichtet, in dem u.a. eine Drupal-baserte LIFE-Community und Blog-basierte E-Portfolios entstanden sind. Die E-Portfolios werden als Reflexionswerkzeuge und nicht als Prüfungstools eingesetzt. Die E-Portfolios bestehen aus Blogs, die auf der Basis von study.log und WordPress Themes aufgebaut sind. Auf der Blogfarm werden Studierenden  Blogs zur Verfügung gestellt, in denen Lernprozesse reflektiert werden.

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Das wahre Hightlight vom E-Portfolio-Track war der Vortrag von Thomas Häcker aus Uni Rostock, der über Möglichkeiten und Grenzen von e-Portfolios gesprochen hat. Der Vortrag war sehr interessant und facettenreich. Er hat das Publikum an vielen Stellen zum Nachdenken, zum Schmunzeln und auch zum Lachen gebracht hat. Ein der vielen Aspekte war die Selbtsbestimmung. E-Portfolios machen dann Sinn, wenn sie zu mehr Selbstbestimmung beitragen. Damit meinte er nicht nur die Selbstbestimmung auf der organisatorischen Ebene (Lernende können selbst bestimmen, wann, wie schnell, in welchen Schritten sie lernen), sondern auch auf der Ebene der Lernziele und Lerninhalte.  Ein weiterer Aspekt war die mangelnde Kommunikation über Leistungen im Bildungssystem, u.a. Beurteilungskriterien sind intransparent, Anforderungen sind unklar, die Partizipation bei der Erstellung von Beurteilungskriterien fehlt. Mehr zum Thomas Häcker ist u.a.  hier zu finden.
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Danach hat Sandra Schaffert eine Frage gestellt, wo wir uns gerade dem Thema E-Portfolio befinden. Sie selbst sei nach dem Gipfel der überzogenen Erwartungen am Tal der Enttäuschungen angekommen. In der anschließenden Diskussion meinte Rolf Schulmeister, dass wir bereits mit der Diskussion über die Grenzen und die Herausforderungen von E-Portfolios am Pfad der Erleuchtung angekommen sind.

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Zu aller Letzt haben Peter Baumgartner und Klaus Himpsl die umfassende Forschung zum E-Portfolio vorgestellt, u.a. die E-Portfolio-Taxonomie, die Evaluation der E-Portfolio-Software und die  Strategiemodelle zur Implementierung von E-Portfolio. Die vier Strategiemodelle sind: (1) E-Portfolio als Service Angebot, (2) E-Portfolio als Lernwerkzeug, (3) Curriculare Integration von E-Portfolio und (4) E-Portfolio als hochschulweite Strategie. Dabei wurde das Modell 3 „Curriculare Integration“ am Beispiel des neuen postgradualen, berufsbegleitenden Lehrgangs zu Master of Arts in E-Education an der Donau-Universität Krems erläutert. Als drei Grundtypen von E-Portfolio hat Peter Baumgartner Reflexionsportfolio, Entwicklungsportfolio und Präsentationsportfolio genannt. Die Grundentscheidung bei jeder E-Portfolio Arbeit ist: wem gehört das E-Portfolio – der Institution oder den Lernenden selbst? Mehr zum Thema E-Portfolio findet man u.a. im Tagungsband „Potentials of E-Portfolios in Higher Education.“

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Der Track E-Portfolio wurde mit der Podiumsdiskussion beendet, in die auch eine Twitterwall und ein Backchannel integriert wuren. Moderiert hat Kerstin Mayrberger. An der Podiumsdiskussion teilgenommen haben: Gabi Reinmann, Thomas Häcker, Peter Baumgartner, Marianne Merkt, Rudolf Kammerl, Thomas Unruh, Wolf Hilzensauer und Sebastian Plönges. Das Thema war „E-Portfolio – was können Schule und Hochschule voneinander lernen?“ Leider wurde dieses Thema nur am Rande betrachtet und die Diskussion drehte sich um den Sinn von E-Portfolios und die geeigneten Tools.

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Alles in allem fand ich den Track zum E-Portfolio gelungen und habe viele Anregungen und Ideen mitgenommen.

Vielen Dank an die Organisation, u.a. ePortfolio_CI09!

Hier noch ein paar abschließende Links und Informationen:

  • Das Konferenzprogramm
  • Alle Vorträge der Tagung wurden mit Lecture2Go aufgezeichnet und  werden auf www.podcampus.de abrufbar sein (es fand leider kein Livestreaming statt).
  • Alle Tweets zu Campus Innovation in Hamburg können mit dem Hashtag #ci09 nachverfolgt werden.

Weitere Blog-Posts zu Campus Innovation 2009 bei:

8 thoughts on “E-Portfolio bei Campus Innovation 2009

  1. Pingback: e-Denkarium » Blog Archiv » Das Kreuz mit dem Neuen
  2. Pingback: Tweets that mention E-Portfolio bei Campus Innovation 2009 « Mediendidaktik 2.0 -- Topsy.com
  3. Pingback: M:blog » Blog Archiv » Weniger ist manchmal Mehr …
  4. Pingback: Randnotizen » Diskussion um E-Portfolio
  5. Pingback: ePortfolios auf der Campus Innovation 2009 « eLearning-Blog der Technischen Universität Hamburg-Harburg
  6. Pingback: ePortfolios auf der Campus Innovation 2009 « eLearning an der Technischen Universität Hamburg-Harburg
  7. Pingback: ZHW-WebLog » Blog Archiv » Campus Innovation – ein kurzer Rückblick

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