Sprachenlernen mit Twitter

Wie können Web 2.0 Medien, u.a. Twitter, das Sprachenlernen unterstützen? Mit dieser Frage beschäftige ich mich in mehreren Pilotprojekten zum Thema “Fachsprachen in der Druck- und Medienbranche”  in der Mediencommunity 2.0. Da es hier um Fachsprachen geht, steht das Erlernen von Fachbegriffen und fachspezifischen Redewendungen im Vordergrund. Meine Fragen zur Zeit sind:

  1. Welche Praktiken gibt es aktuell zum Sprachenlernen über Twitter?
  2. Welchen Mehrwert bietet Twitter gegenüber anderen Web 2.0-Medien, wie z.B. Wikis?
  3. Wie kann Twitter beim Sprachenlernen mit anderen Medien sinnvoll kombiniert werden?

Zahlreichen Beispiele, u.a. Twitter Trainers, z.B. TheEngTeacher oder Online Wörterbücher, z.B. OnlineGlosssary, zeigen, dass Twitter sowohl das Erlernen von Fremdsprachen als auch Muttersprachen unterstützen kann.

Zunächst kurze Erläuterung zum Begriff Wortschatz im Sinne des Wortwissens und des Wortgebrauchs. Im gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen wird die lexikalische Kompetenz als Teil der kommunikativen Sprachkompetenzen angesehen.  Was bedeutet aber, ein Wort zu kennen und ein Wort zu benutzen? Zahlreiche Ansätze und Modelle des Wortwissens und Wortgebrauchs  (u.a. Cronbach, 1942; Ringbom, 1987; Nation 2001) verdeutlichen, dass eine genaue Antwort auf diese Frage recht komplex ist. Selbst eine laienhafte Erklärung macht einem klar, wie viele Aspekte hier eine Rolle spielen:

  • Ich kenne das Wort, also weiß ich, was es bedeutet (gibt es mehr als eine Bedeutung?)
  • Ich kenne das Wort, also weiß ich, welche Formen es annehmen kann (Morphologie, Aussprachevarianten). Ich kann bei den unterschiedlichen Formen erkennen, das es sich immer noch um das gleiche Wort handelt.
  • Ich kenne das Wort, also weiß ich, wie es mit anderen Worten zusammen gebraucht werden kann (Grammatik, Kollokation).
  • Ich kenne das Wort, also weiß ich, wie es genutzt wird (In welchen Kontexten? Zu welchen Zwecken? Von wem?)
  • Ich kenne das Wort, also weiß ich, welche Wirkung es haben kann (Assoziationen, Konnotationen)
  • Ich kenne das Wort, aber kann ich es auch angemessen und zielgerecht in varierenden Situationen nutzen?

Um jetzt nicht tiefer in die linguistische Diskussion einzutauchen, möchte ich zum Abschluß an dieser Stelle auf die Diksussion und sehr interessante  psycho- und neurolinguistische Untersuchungen zum mentalen Lexikon hinweisen.

Nun zu meinen Befunden und Erkenntnissen zu den drei Fragen.

Welche Praktiken gibt es aktuell beim Sprachenlernen über Twitter?

Ich habe unterschiedliche Twitter-Anbieter im Bereich „Vokabellernen“ unter die Lupe genommen (siehe: Twitter-Liste zum Thema “Linguistik”) und folgende Praktiken gefunden:

1. Ein Wort oder eine Redewendung wird in regelmäßigen Abständen, z.B. täglich als „Word of the Day“, getwittert, z.B.:

  • wordoftheday Pastiche : A work of drama, literature, music, or architecture that imitates the work of a previous artist.

2. In manchen Fällen werden Begriffe um semantische, phonetische und grammatikalische Informationen ergänzt, z.B.:

3. In einigen Tweets werden Synonyme und Links zur Aussprache angegeben, z.B.

4. Einige Twitterer verlinken zu weiterführenden Informationen auf eigenen Web-Seiten (u.a. Beispiele für Wortgebrauch, Etymologie, Fotos in Flickr zur Veranschaulichung der Begriffe).

  • Wordnik Today’s word of the day is terpsichorean, (noun) a dancer; (adjective) related to dancing. From a Muse. http://bit.ly/wl9kU

5. Einige Twitterer veranstalten Wettbewerbe (z.B. beste Übersetzung, bester Wortgebrauch), um  zum Mitmachen und zum Lernen zu motivieren, z.B.

6. Einige Twitterer produzieren eigene Filme (z.B. fragen unterschiedliche Menschen in Interviews, wie sie das Wort verstehen und nutzen) und stellen Sie in YouTube, z.B.:

7. Schließlich gibt es auch Twitterer, die sich auf Übersetzungen spezialisieren, z.B.:

  • WoerterbuchGroßraum: conurbation, greater area, large capacity, metropolitan area

Ich habe bisher keinen Einsatz von chir.ps zum Sprachenlernen in Twitter entdeckt. Gibt es hierzu Beispiele?

Welchen Mehrwert bietet Twitter gegenüber anderen Web 2.0-Medien, wie z.B. Wikis?

Im Prinzip gilt für das Sprachenlernen über Twitter, was für andere Nutzungsszenarien von Twitter gilt: Twitter ist schnell, kurz und prägnant. Es ist einfach zu nutzen. Man kann auf die Tweets schnell und unkompliziert antworten, z.B. ein Wort übersetzen. Man kann in Tweets auf weitere Informationen aufmerksam machen, z.B. Beispiele zum Wortgebrauch, ohne dass diese Informationen von dem eigentlichen Kern ablenken. Twitter bietet einen anderen Zugang zum Vokabellernen. Man lernt die Worte nebenbei und zwischendurch. Das kann ein Vorteil aber auch ein Nachteil sein, wenn es losgerissen vom Kontext passiert.

Nachteile sind: nicht gezielt suchen zu können wie in Leo oder PrintWiki und ggf.  Chaos, z.B. bei der Zuordnung von Übersetzungen zu Ausgangsbegriffen. Eine Orientierungshilfe bieten hier bekannterweise hashtags, mit denen bestimmte Themen, Klassifikationsmerkmale oder Medienarten nachverfolgt und aufgesucht werden können.

Wie kann Twitter beim Sprachenlernen mit anderen Medien sinnvoll kombiniert werden?

Die Beispiele zeigen, dass  Twitter zum Sprachenlernen gut mit Wikis und Blogs aber auch mit Mediacasts und sozialen Netzwerken, wie Facebook, oder eigenen Communities kombiniert werden kann. Nur in wenigen Fällen wird Twitter als “stand-alone” eingesetzt. Häufig funktiniert Twitter als einer von mehreren Bausteinen. Es wird eingesetzt, um auf bestimmte Inhalte aufmerksam zu machen oder eine unkomplizierte und schnelle Kommunikation und Kollaboration rund um bestimmte Fachbegriffe und Fachthemen zu ermöglichen.

Ich beaobachte die Entwicklungen und sammle Ideen weiter und freue mich auf Hinweise und Links zu weiteren Beispielen und Aspekten des Sprachenlernens mit Twitter.

3 thoughts on “Sprachenlernen mit Twitter

  1. Pingback: uberVU - social comments
  2. Sprachen zu erlernen ist so wichtig! Zum Glück wird unseren Kindern bereits in der Grundschule das Sprachen lernen näher gebracht. Trotzdem: Wird eine Fremdsprache nicht regelmäßig gesprochen rostet sie ein, warum also nicht die vielfältigen Möglichkeiten, die das Web 2.0 uns bietet nutzen und mit seiner Hilfe Sprachkenntnisse wieder auffrischen! Ich finde Twitter eignet sich ganz hervorragend dafür.

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